Hirntumoren

Das Spektrum in diesem Bereich umfasst vor allem Hirntumoren, die 7 - 9% der gesamten Tumorerkrankungen ausmachen und nach ihrem Entstehungsgebiet in primäre Hirntumoren (zumeist Stützzellen/Astrozyten, Hirnhäute, Hypophyse, Hämangioblastome etc.) sowie sekundäre Tumoren (Hirnmetastasen) unterteilt werden. Die Verwendung moderner operativer Techniken inkl. der Neuronavigation, die analog dem GPS im Mikrobereich der Hirnstrukturen eine genaue Ortung ermöglicht, ist dabei wesentlich für eine erfolgreiche Behandlung (Abb.1).

Je nach Lokalisation des Tumors können bei den Betroffenen Kopfschmerzen, Vergesslichkeit, eine Wesensveränderung, aber auch epileptische oder scheinbare Schlaganfälle ausgelöst werden. Nicht selten werden auch andere Hirnfunktionen beeinträchtigt, wie z. B. die Sinnesorgane (Sehen, Gehör, Geruch, Geschmack, Abb.2), aber auch Sprache, Gedächtnis, Körpergefühl und Gleichgewicht sowie wichtige hormonelle Funktionen (Abb.3). Daneben werden auch Hirnblutungen (Intrazerebralhämatom, z.B. bei Kavernom), das chronische Subduralhämatom, sowie seltene Tumoren wie z. B. das Hämangioblastom (Abb.4) im Rahmen der Neurochirurgie in Bern behandelt. Ein besonderes Interesse gilt auch den neurovaskulären Kompressionssyndromen, die zu Gesichtsneuralgien führen können.

Das bekannteste Beispiel ist die Trigeminusneuralgie, die durch eine gezielte neurochirurgische Technik zumeist geheilt werden kann. Hierbei muss eine Schutzschicht zwischen den empfindlichen Hirnnerven und der kleinen Arterie gelegt werden, um die krankheitsauslösenden Gefässpulsationen zu dämpfen. Selten einmal kommt es auch zu neurovaskulären Kompressionssyndromen des N. facialis (Hemispasmus facialis) oder des N. glossopharyngeus (Glossopharyngeus-Neuralgie). Chronische Schmerzsyndrome sind schwierig zu behandeln und erfordern eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurochirurgen, Neurologen, Psychiatern und eigentlichen Schmerztherapeuten bis hin zu ergänzenden alternativen Verfahren.

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Mikrochirurgische Operation am offenen Hirn

Abb. 1: Mikrochirurgische Operation am offenen Hirn. Entfernung eines Rezidiv-Meningioms der linken frontotemporalen Konvexität bei einer 70-jährigen Patientin mit motorischer Aphasie und armbetonter spastischer Hemiparese rechts. Die Patientin hat sich gut erholt vom Eingriff.

Abb.2: Felsenbeinmeningeom rechts mit Hörstörung. Bei dieser 50-jährigen Patientin kam es schleichend zu tiefsitzenden Kopfschmerzen und zu einer Hörverminderung auf der rechten Seite. Es fand sich ein grosses Felsenbeinmeningeom rechts, das zwischen dem inneren Gehörgang und dem foramen jugulare lag. Die Entfernung wurde mit intraoperativem on-line Monitoring der Trigeminus-Fazialis- und Acusticusfunktion durchgeführt.

Abb.3: Galaktorrhöe-Amenorrhöe-Syndrom bei Mikroprolaktinom links. Die 21-jährige Patientin ertrug die medikamentöse Therapie mit Dopamin-Antagonisten nicht mehr gut, weshalb die navigierte Entfernung des gutartigen Hypophysentumors durchgeführt wurde. Die Serum-Prolaktinwerte haben sich postoperativ rasch normalisiert.

Abb. 4: Grosses infratentorielles Hämangioblastom beim Confluens sinuum.Dieser gutartige stark blutende Gefässtumor konnte sicher über eine suboccitpitale Kraniotomie entfernt werden. Der 67-jährige Patient hat sich von der aufwendigen Operation sehr gut erholt mit nur minimalen cerebellären Residuen.